Maxine Weiss’ erste Einzelausstellung „Nachwärme“ im Apartment der Kunst München präsentiert eine raumgreifende Installation aus Skulptur und Video. Unterschiedliche Materialien, Erinnerungen und Orte überlagern sich zu einer verdichteten Szenerie, in der urbane Oberflächen und organische Formen ineinanderfließen und neue Gefüge entstehen. Die Installation versammelt Materialien, Formen und Bilder, die aus unterschiedlichen Begegnungen, Erfahrungen und Arbeitsprozessen der letzten Jahre hervorgegangen sind. Eindrücke, Texte, gesammelte Materialien und visuelle Fragmente aus verschiedenen Orten und Kontexten fließen in der Arbeit zusammen und bilden eine subjektive Kartografie von Zeiten, Orten und Wahrnehmungen. Der Ausstellungsraum ist mit Bitumenbahnen ausgelegt und erinnert an eine versiegelte urbane Oberfläche: Straße, Baustelle oder Asphaltfläche. In der Arbeit treffen unterschiedliche Materialien aufeinander, sodass sich die Grenzen zwischen natürlich Gewachsenem und menschlich Produziertem zunehmend auflösen. Urbane Oberflächen, organische Formen und Alltagsobjekte durchdringen sich und bilden neue Gefüge. Darauf erscheinen drei Figuren, die auf Aluminium-Stühlen sitzen und nur aus Beinen zu bestehen scheinen. Ihre Körper sind aus Pflanzensamen geformt, die sich zu einer dichten Masse verbinden und zugleich menschliche, tierische und insektenhafte Formen evozieren. Die Figuren wirken dabei wie in einem Schwebezustand – in einer Art Limbo zwischen Bewegung und Stillstand. Sie scheinen zu warten, jedoch ohne Spannung oder Zielgerichtetheit, eher in einem entspannten, losgelösten Zustand. Um sie herum erscheinen Alltagsobjekte wie Schuhe, ein Becher oder eine Angel mit Schlüsseln, die den Figuren beinahe wie Attribute zugeordnet sind. In der Installation werden diese vertrauten Gegenstände in andere Materialitäten und zeitliche Ebenen übersetzt und erhalten neue Konnotationen, zwischen Relikt, Spur und Erinnerung. Ein Trinkbecher aus Tapioka-Perlen, inspiriert von den allgegenwärtigen Bubble-Tea-Getränken während eines Aufenthalts der Künstlerin in Taipei, formt sich aus dem Material selbst und erscheint wie ein archäologisches Gefäß oder Relikt. Sandalen, mit Tackernadeln überzogen, wirken wie Fundstücke aus einer fremden, metallisch geprägten Zeit. Aluminium- und Bronzegüsse von Meeresschwämmen und muschelartigen Formen erweitern die Szenerie um Elemente, die an Unterwasserlandschaften erinnern. Einige der Schwämme gehen auf Fundstücke zurück, die die Künstlerin während eines Aufenthalts auf Zypern erwarb und später in Metall überführte. Durch diese Transformationen begegnen sich organische und industrielle Materialien in einer hierarchielosen Weise. Von einer Angel hängen Schlüssel, von denen Niemand mehr weiß, welche Türen sie öffnen. Sie verweisen auf verlorene Zugänge und persönliche Geschichten, die sich nur fragmentarisch rekonstruieren lassen. Zwei Bildschirme zeigen Video-Collagen in denen Strukturen sich assoziativ verweben und eine eigene traumartige Logik bilden. Die Bilder verdichten sich zu einer fünfminütigen Sequenz, die sich kontinuierlich wiederholt. So formt sich in “Nachwärme” eine traumartige Situation, in der Erinnerungen, Materialien und Erfahrungen miteinander verschmelzen. Verschiedene Orte, Zeiten und Eindrücke überlagern sich zu einem eigenen, realen Raum – einem Raum, der aus persönlichen Erinnerungen ebenso besteht wie aus den kontinuierlichen Einflüssen eines global vernetzten Lebens.
Maxine Weiss’s first solo exhibition “Nachwärme” at Apartment der Kunst Munich presents an expansive installation combining sculpture and video. Different materials, memories, and places overlap to form a condensed scenography in which urban surfaces and organic forms merge, giving rise to new constellations. The installation brings together materials, forms, and images that have emerged from various encounters, experiences, and working processes over recent years. Impressions, texts, collected materials, and visual fragments from different places and contexts converge in the work, forming a subjective cartography of times, places, and perceptions.
The exhibition space is covered with bitumen sheeting, evoking a sealed urban surface: a street, a construction site, or an asphalt plane. Within the work, different materials meet, increasingly dissolving the boundaries between what is naturally grown and what is human-made. Urban surfaces, organic forms, and everyday objects interpenetrate and form new assemblages. Upon this ground appear three figures seated on aluminum chairs, seemingly composed only of legs. Their bodies are formed from plant seeds that coalesce into a dense mass, at once evoking human, animal, and insect-like forms. The figures seem suspended in a state of limbo—between movement and stillness. They appear to be waiting, yet without tension or clear direction, rather in a relaxed, detached condition. Around them, everyday objects such as shoes, a cup, or a fishing rod with keys appear, almost like attributes assigned to the figures. Within the installation, these familiar objects are translated into different materialities and temporal layers, acquiring new connotations—between relic, trace, and memory.
A drinking cup made of tapioca pearls, inspired by the ubiquitous bubble tea beverages during the artist’s stay in Taipei, forms out of the material itself and appears like an archaeological vessel or relic. Sandals covered with staples resemble found objects from a foreign, metallic era.
Aluminum and bronze casts of sea sponges and shell-like forms extend the scene with elements reminiscent of underwater landscapes. Some of the sponges are based on objects the artist acquired during a stay in Cyprus and later transformed into metal. Through these transformations, organic and industrial materials encounter one another in a non-hierarchical way. Keys hang from a fishing rod, no longer associated with any known doors. They point to lost access and personal stories that can only be reconstructed fragmentarily. Two screens display video collages in which structures intertwine associatively, forming their own dreamlike logic. The images condense into a five-minute sequence that repeats continuously.
In “Nachwärme,” a dreamlike situation emerges in which memories, materials, and experiences merge. Different places, times, and impressions overlap to form a distinct, real space—a space composed as much of personal memories as of the continuous influences of a globally connected life.